Stefan Saffer: Die Niederländer, die Schweizer und auch die Schweden sind mit ihrem Gesundheitssystem weitaus zufriedener als wir hier in Deutschland. Sie beurteilen die eigene Versorgung besser und machen sich zugleich weniger Sorgen über ihre Absicherung im Krankheitsfall. Die Bewertung der Deutschen hingegen hat sich zwar im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Die Bevölkerung sieht aber immer noch Probleme bei der Versorgung und Behandlung von Krankheiten. Und auch mit der aktuellen Gesundheitsreform sind viele Deutsche unzufrieden. Das hat der 5. MLP Gesundheitsreport ergeben, erklärt der MLP-Vorstandsvorsitzende Dr. Uwe Schroeder-Wildberg
Dr. Uwe Schroeder-Wildberg: „75 Prozent bezweifeln, dass die aktuelle Gesundheitsreform die Finanzierung des Gesundheitssystems für längere Zeit sicherstellen wird – bei den Ärzten sind es sogar 93 Prozent. Und es wundert mich nicht, dass sie diesen Eindruck haben. Denn entscheidende Probleme wie die demografische Entwicklung und steigende Kosten durch den medizinischen Fortschritt sind noch nicht gelöst.“
Stefan Saffer: Die Skepsis gegenüber dem Gesundheitssystem kommt nicht von ungefähr. Ärzte und Bevölkerung befürchten, dass der zunehmende Kostendruck die Qualität der Versorgung belastet:
Dr. Uwe Schroeder-Wildberg: „Unsere Studie hat ein paar bedrohliche Ergebnisse aufgezeigt: Fast jeder zweite Arzt sieht heute schon einen Ärztemangel. Jeder dritte Patient sagt, dass ihm aus Kostengründen schon Behandlungen oder Medikamente vorenthalten wurden. Und viele gesetzlich Versicherte haben Angst, im Krankheitsfall notwendige Leistungen nicht verschrieben zu bekommen – viele Ärzte bestätigen dies.“
Stefan Saffer: Das ist nicht die einzige Sorge, die gesetzlich Versicherte beschäftigt. Mit der neuen Gesundheitsreform, die ab dem 1. Januar kommenden Jahres in Kraft treten soll, haben gesetzliche Krankenversicherungen mehr Möglichkeiten, einkommensunabhängige Zusatzbeträge zu verlangen:
Dr. Uwe Schroeder-Wildberg: „Bereits heute zahlt die Hälfte der gesetzlich Versicherten Zusatzbeiträge oder rechnet in absehbarer Zeit damit. Gleichzeitig ist bei den gesetzlich Versicherten das Interesse an privaten Zusatzversicherungen weiterhin sehr hoch: 43 Prozent erwägen den Abschluss einer solchen Police. Das zeigt erneut, dass die Versicherten umfassend und individuell abgesichert sein wollen.