Von Thomas Veigel
Heute wird bei MLP der erste Betriebsrat in der Geschichte des Unternehmens gewählt. Auslöser war die Ankündigung des bereits beendeten Stellenabbaus in der Zentrale. 45 Kandidaten auf zwei Listen stehen zur Wahl. Rund 15 Mitglieder wird der Betriebsrat haben, drei Betriebsräte können zu 100 Prozent freigestellt werden. Im Gespräch mit der Rhein-Neckar-Zeitung bietet MLP-Chef Uwe Schroeder-Wildberg den künftigen Betriebsräten eine konstruktive Zusammenarbeit an und ruft die Mitarbeiter dazu auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.
Herr Schroeder-Wildberg, ist der Abbau von fast 60 Stellen in der Zentrale beendet?
Ja, wir haben dies schnell und in allen Fällen einvernehmlich abgeschlossen. Die Entscheidung, Mitarbeiter abzubauen, ist uns sehr schwer gefallen, trägt aber genauso wie unsere umfangreichen Investitionen maßgeblich dazu bei, dass wir MLP abschließend wetterfest machen – auch in einem nach wie vor herausfordernden Markt in der Altersvorsorge.
Kommt der Betriebsrat, der heute gewählt wird, zu spät? Worüber werden Sie mit diesem neuen Gremium diskutieren?
Was heißt zu spät? Wir haben schon in der Vergangenheit offen und intensiv mit unseren Mitarbeitern kommuniziert und diesen Weg werden wir mit dem Betriebsrat fortsetzen. Über konkrete Inhalte zu sprechen, ist noch zu früh. Grundsätzlich gilt aber: Wir stehen für eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit bereit. Auf dieser Basis werden wir die gemeinsame Verantwortung wahrnehmen. Zunächst ist es aber wichtig, dass die Mitarbeiter ihre Chance nutzen und wählen gehen.
Wie soll die konstruktive Zusammenarbeit denn aussehen?
Dies soll kein leeres Versprechen sein, sondern wir werden den Betriebsrat einbinden und Ideen offen diskutieren. Wir sind überzeugt, dass ein gemeinsamer Austausch wichtige Impulse für MLP und unsere Mitarbeiter liefern kann. Dabei wollen wir ein positives Klima schaffen. Das heißt nicht, dass wir nicht auch kontrovers über Themen diskutieren. Aber solange wir um die Sache ringen, profitieren alle.
Wird es ein neues Sparprogramm geben?
Unser Effizienzprogramm läuft seit mehr als zwei Jahren und unser Ziel bleibt es, bis Ende 2012 die Fixkosten um weitere 30 Millionen Euro zu senken. Daran hat sich nichts geändert. Außerdem ist der aktive Personalabbau beendet. Wie bereits angekündigt, werden wir in den kommenden Monaten lediglich die natürliche Fluktuation nutzen.
Wie lief das Geschäft bisher in diesem Jahr?
Für konkrete Zahlen müssen Sie unseren Quartalsbericht abwarten. Insgesamt stimmt mich das erste Halbjahr aber optimistisch. Wir sehen eine positive Entwicklung im Vermögensmanagement und der Krankenversicherung. In der Altersvorsorge verlangt uns das Umfeld nach wie vor alles ab. Aber nach den deutlichen Rückgängen im ersten Quartal haben wir hier im zweiten Quartal eine leichte Verbesserung gesehen. Schwierig bleibt weiterhin auch die Beraterrekrutierung. Denn wir sind nicht bereit, Abstriche bei unseren hohen Qualitätsansprüchen zu machen.
Gibt es tatsächlich so wenige Finanzberater-Talente?
Wie gesagt, es geht um die Qualität, nicht um die Quantität. Leider ist das Berufsbild des unabhängigen Finanzberaters in Deutschland im Gegensatz zu den USA noch nicht ausreichend verankert. Dort bewegt sich der unabhängige Finanzberater auf Augenhöhe mit Steuerberatern und Rechtsanwälten. Da müssen und werden wir auch hierzulande hinkommen – MLP ist dabei schon ein ganzes Stück weiter als der Markt. Aber die Profilierung des Berufsbildes muss von allen Beteiligten vorangetrieben werden.
Was muss passieren, damit das Geschäft mit der Altersvorsorge wieder wächst?
Die gesetzliche Rentenversicherung stößt heute bereits an ihre Grenzen. Junge Menschen müssen damit rechnen, dass sie später nur einen geringen Teil ihres Einkommens als staatliche Rente erhalten – ein Großteil muss privat abgedeckt werden. Dessen sind sich zwar inzwischen viele Menschen bewusst, aber sie handeln nicht dementsprechend. Wenn hier kein Umdenken stattfindet, stehen wir auch vor großen gesellschaftlichen Problemen, Stichwort Altersarmut.
Warum sind die Deutschen dann so zögerlich bei der Altersvorsorge?
Grundsätzlich vollzieht sich der notwendige Mentalitätswandel noch immer zu langsam, weil die Konsequenzen mangelnder Vorsorge für den Einzelnen mitunter erst in Jahrzehnten unmittelbar spürbar werden. Hinzu kommt die Vertrauenskrise der vergangenen Jahre. Zunächst die Finanz- und Wirtschaftskrise und aktuell die Diskussionen vor allem um Staatsschulden führen zu einer generellen Verunsicherung bei vielen Verbrauchern und einer stärkeren Fokussierung auf Immobilien und kurzfristige Anlagen wie Tagesgeld – auch wenn dies in vielen Fällen nicht die beste Anlageentscheidung ist. Aber sicherlich spielen im Markt auch die Diskussionen um die Komplexität und Transparenz von Versicherungsprodukten eine Rolle.
Zum MLP-Konzern gehört mit Feri eine Ratingagentur, die die Zulassung für das Rating von Ländern in der EU hat. Wollen Sie Feri als die europäische Ratingagentur positionieren, nach der im Moment gerufen wird?
Das Rating-Geschäft hat uns vor allem in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit gebracht. So hat Feri EuroRating sehr frühzeitig auf die Probleme in Griechenland, aber auch in den USA hingewiesen. Grundlage dafür ist, dass die Ratingagentur unabhängig ist und vollkommen eigenständig agiert. Mit der EU-Zulassung wurde formell die hohe Qualität und Transparenz unserer Ratings unterstrichen. Gleichzeitig ist damit die Grundlage erfüllt, das Geschäft weiter zu europäisieren – wenngleich es hier auch viele politische Einflüsse gibt. Schwerpunkt unseres Konzerns bleibt aber natürlich die Betreuung von Privat- und Firmenkunden, die nicht zuletzt auf dem umfangreichen Research bei Feri basiert.
Spüren Sie negative Auswirkungen nach dem Bekanntwerden des SexParty-Skandals bei der Hamburg-Mannheimer auf ihr Geschäft?
Nein, Auswirkungen auf das Geschäft spüren wir nicht – zumal wir mit einem komplett anderen Geschäftsmodell in einem vollkommen anderen Markt unterwegs sind. Grundsätzlich gilt aber: Was der Presse zu entnehmen war, ist vollkommen inakzeptabel und schadet der gesamten Finanzbranche. Es braucht keine Corporate Governance, sondern nur ein Fünkchen Anstand, damit klar ist, dass so etwas undenkbar sein sollte.
Sie belohnen ihre Berater doch auch mit Reisen?
Ja, natürlich. Reisen sind weder etwas Verwerfliches noch eine Besonderheit der Finanzdienstleistungsbranche, sondern sie bilden und stärken den Zusammenhalt. Dazu stehen wir. Wir reisen beispielsweise mit den Trainern unserer Corporate University, mit Geschäftsstellenleitern und mit Beratern und honorieren damit gute und kundenorientierte Leistungen. Das werden wir auch weiterhin tun, weil wir das für richtig und wichtig halten.