Im Ernstfall übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten – auch nach der angekündigten Reform. Eine private Pflegevorsorge schließt die Lücke.
Pflegebedürftigkeit gehört neben der Berufsunfähigkeit zu den meist unterschätzten Risiken in Deutschland. Nach wie vor glauben viele, im Fall der Fälle durch die gesetzliche Pflegeversicherung ausreichend abgesichert zu sein – weniger als eine Million Bundesbürger haben bislang eine private Pflegeversicherung abgeschlossen.
Dabei sind die Versorgungslücken im Pflegefall enorm. Denn die gesetzlichen Leistungen decken nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten (siehe Tabelle „Hohe Eigenbelastung im Pflegefall“). Beispielsweise entstehen in der Pflegestufe III durchschnittlich Kosten von rund 3.200 Euro im Monat. Davon übernimmt die gesetzliche Pflegeversicherung maximal 1.432 Euro. Folge: Es bleibt eine Versorgungslücke von 1.768 Euro im Monat.
Die finanzielle Belastung summiert sich über die Jahre auf enorme Summen. So ist oftmals nicht nur das eigene Vermögen schnell aufgebraucht; auch die Kinder müssen für den Unterhalt ihrer Eltern aufkommen. „Um sein eigenes Vermögen und das seiner Nachkommen zu schützen ist eine private Pflegevorsorge sinnvoll“, sagt Gerhard Frieg, Vorstand der MLP AG.
An der Notwendigkeit zur Eigeninitiative ändert auch die von der Regierungskoalition Mitte Juni angekündigte Ausweitung der Pflegeleistungen nichts. Beispielsweise soll die gesetzliche Leistung bei einer stationären Behandlung in Pflegestufe III von derzeit 1.432 Euro monatlich auf 1.550 Euro monatlich im Jahr 2012 steigen. Selbst bei gleich bleibenden Kosten bliebe im Beispielfall eine enorme Versorgungslücke.
In der privaten Vorsorge gibt es drei verschiedene Absicherungsvarianten: die Pflegerenten-, die Pflegekosten- und die Pflegetagegeldversicherung. Die Pflegerente leistet eine fest vereinbarte Monatsrente und zeichnet sich durch Beitragsstabilität, Beitragsfreiheit sowie Steigerung der Rente im Leistungsfall aus. Die Pflegetagegeldversicherung zahlt einen fest vereinbarten Tagessatz, während die Pflegekostenversicherung die tatsächlich entstandenen Kosten ersetzt. Vor allem diejenigen, die sich nicht im Heim pflegen lassen wollen, sollten eine Absicherung mit einer fest vereinbarten Auszahlung wählen. „Wichtig ist zudem, sich frühzeitig gegen das Pflegerisiko abzusichern, da mit steigendem Eintrittsalter die Beiträge steigen und sich der Gesundheitszustand eher verschlechtert“, sagt Frieg.
Grundsätzlich sollten Versicherte darauf achten, dass die Police Leistungen in allen drei Pflegestufen garantiert und auch dann zahlt, wenn Angehörige die Pflege übernehmen. Die Tagegeldversicherung sollte die Möglichkeit einräumen, den Tagessatz ohne erneute Risikoprüfung zu erhöhen.
| Die gesetzliche Pflegeversicherung |
In der gesetzlichen Pflegeversicherung besteht nach wie vor ein hoher Reformbedarf. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst laut einer Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft bis 2020 um 50 Prozent auf 2,7 Millionen, bis 2050 auf 4,7 Millionen. Ihr heutiges Leistungsniveau kann die gesetzliche Pflegeversicherung vor dem Hintergrund dieser Entwicklung nur bei steigenden Beitragssätzen halten. Je nach Szenario müsste der Beitragssatz laut der Untersuchung auf 3 bis 5,5 Prozent steigen. |
Hohe Eigenbelastung im Pflegefall
| Pflegekosten pro Monat | Pflegestufe I | Pflegestufe II | Pflegestufe III |
| Durchschnittliche Kosten bei Pflegebedürftigkeit | 2.300 EUR | 2.700 EUR | 3.200 EUR |
| Leistungen der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung | 1.023 EUR | 1.279 EUR | 1.432 EUR |
Versorgungslücke | 1.277 EUR | 1.421 EUR | 1.768 EUR |
| Eigenbelastung bei einer Pflegedauer von 10 Jahren | 153.240 EUR | 170.520 EUR | 212.160 EUR |
Das kostet eine private Pflegevorsorge im Monat*:
1. Pflegerentenversicherung (1.500 Euro Pflegerente in Pflegestufe III)
2. Pflegekosten- / Pflegetagegeldversicherung (50 Euro Tagessatz in Pflegestufe III)
*Durchschnittlicher Beitrag MLP-Empfehlung
MLP AG, August 2007
Jan Berg
Leiter Kommunikation und Politik
Telefon: 06222•308•4595
Telefax: 06222•308•1131